Gedanken zu Psalm 101

4. Oktober 2026

Beim Lesen der Bibel gehen mir einige Gedanken zu Psalm 101 durch den Kopf, die ich mit Dir in diesem Blogbeitrag teilen möchte. Wieder einmal bin ich davon überrascht, wie die Worte in den Alltag sprechen.

1. Gnade und Recht
„Ein Psalm Davids. Von Gnade und Recht will ich singen; dir, HERR, will ich spielen!“ (Vers 1) David beginnt damit, dass er singen will. Ein Lied über Gnade und Recht. Zunächst klingen beide Komponenten widersprüchlich. Schließt Recht Gnade nicht aus? Braucht es noch Recht, wenn Gnade gewährt wird? ⚖️

Wer kannte das Gesetz besser als die Menschen der damaligen Zeit? Sie hatten es hautnah erlebt, wie streng, absolut Gottes Rechtsordnungen waren. Als die Bundeslade von den Philistern zurückgeschickt wurde, nutzen Neugierige die „einmalige“ Chance, einen Blick ins Innere der Bundeslade zu erhaschen. Die Folge: „Und Er schlug [einige] der Bethschemiter, weil sie in die Lade des HERRN geschaut hatten; und er schlug von dem Volk 70 Mann [und] 50 000 Mann. Da trug das Volk Leid, weil der HERR das Volk mit einem so großen Schlag heimgesucht hatte.“ (1. Samuel 6, 19)

Anfang des Jahres habe ich mir die Leviten gelesen. Einige Schlussfolgerungen zog ich:

  • Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. 
  • Ich müsste täglich Opfer bringen für mein vielfaches Vergehen. Das wären sehr viele Tiere, die sterben müssten.
  • Die kleinste Missachtung der Anweisung Gottes hatte den sofortigen Tod zur Folge.
  • Die blutflüssige Frau, die Jesus heilte, hatte mit Blick auf das Gesetz als Unreine wirklich keine Chance! (Vergleiche 3. Mose 15, 25)

Gnade und Recht: David gewährte Saul mehrfach Gnade, obwohl er die Gelegenheit hatte, seinen Verfolger zu töten. Aber er folgte einer Rechtsordnung, die über seiner Kühnheit stand. Von Gottesfurcht bewegt half er sich nicht selbst, sondern überließ es dem, der gerecht richtet.

2. Von Gottesfurcht bewegt in der Erwartung Christi leben
Der folgende Vers berührt mich besonders: „Ich will achthaben auf den vollkommenen Weg. Wann wirst du zu mir kommen? Ich will mit lauterem Herzen wandeln im Innern meines Hauses.“ (Vers 2) 

Achthaben auf den vollkommenen Weg liest sich für mich so, dass nicht die nächstbeste Weggabelung eingeschlagen wird, sondern er mit Bedacht agiert. Es lässt mich daran denken, dass Gottes Wort weise macht. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 16–17)

Die Beschreibungen sind absolut: alle Schrift, ganz zubereitet, völlig ausgerüstet. Beeindruckend! Indem ich mich der Heiligen Schrift widme, Gottes Worte lese, darüber nachdenke und sie in meinem Leben anwende, wandle ich auf Gottes vollkommenen Wegen. „Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige.“ (Psalm 119, 11) „Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort!“ (Psalm 119, 9) 

Die Frage Davids: „Wann wirst du zu mir kommen?“ weckt Sehnsucht in mir. 👀 Hier wird jemand erwartet: Gott. Wie ist das bei mir? Rechne ich heute mit der Wiederkunft Christi? Begegne ich Gott in meinem Alltag? Nicht nur morgens, flüchtig, sondern tagsüber?

Vielleicht kennst Du die Geschichte von Vater Martin, dem alten Schuster, der anderen Menschen diente, während er darauf wartete, dass Jesus ihn besuchte. Hier kannst Du eine Version davon nachlesen (für externe Links übernehme ich keine Verantwortung). Die Hauptaussage dieser Erzählung ist, dass Jesus ihm in den vielen Gestalten Hilfsbedürftiger begegnet war und die Hingabe am anderen persönlich nahm. Im Sinne von: „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Matthäus 25, 40b) 

„Wann wirst du zu mir kommen?“ Erwartest Du Jesus, hast Du Heimweh? 

Während David darauf wartet Gott zu treffen, lässt er uns seine Haltung wissen: „Ich will mit lauterem Herzen wandeln im Innern meines Hauses.“ Das Wort „lauter“ kann auch mit „aufrichtig“ oder „redlich“ übersetzt werden. Die „Hoffnung für Alle“-Übersetzung lautet: „An meinem Hof soll nur geschehen, was ich vor dir verantworten kann.“ Aufrichtig im Inneren des Hauses zu sein bedeutet authentisch zu sein, dort, wo mich vielleicht kein Mensch beobachtet. Wo es „niemand“ mitbekommt. Anders gesagt: Ich übernehme Verantwortung für mich, für das, was sich auch innerhalb der eigenen vier Wände abspielt. Heimlichkeiten und Heuchelei haben hier keinen Platz. ❌

Alltagsheldin, Alltagsheld – ist es nicht genau der Anspruch, den Gottes Wort an uns stellt? Natürlich! David hat es uns vorgelebt. Wir wissen, dass auch er darin versagt hat und was geschieht, wenn Vortäuschen das Leben kostet. Im Fall mit Bathseba hat genau das versagt: Die Aufrichtigkeit im Inneren des Hauses. Sünde hat den Tod zur Folge. Hier sehen wir es auf voller Linie (vergleiche 2. Samuel 11). Menschliche Schwäche ist Realität in unserem Leben. Doch Gottes heilsame Gnade und Vergebung ist größer als unser Versagen. ✝️

3. Wandeln vor Gott praktisch

In diesem Psalm finden wir einige konkrete Hilfestellungen, wie das Wandeln vor Gott praktisch aussehen kann. Lies gern die Folgeverse: „Ich will nichts Schändliches vor meine Augen stellen; das Tun der Abtrünnigen hasse ich, es soll mir nicht anhaften! Ein verkehrtes Herz soll von mir weichen; von Bösem will ich nichts wissen! Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den will ich vertilgen; wer stolze Augen und ein hochmütiges Herz hat, den will ich nicht dulden. Ich achte auf die Treuen im Land, sie sollen bei mir wohnen; wer auf unsträflichem Weg wandelt, der soll mir dienen. In meinem Haus soll keiner wohnen, der Betrug verübt; wer Lügen redet, soll nicht bestehen vor meinen Augen. Jeden Morgen will ich alle Gottlosen im Land vertilgen, um aus der Stadt des HERRN alle auszurotten, die Böses tun.“ (Verse 3 – 8)

Nichts Schändliches vor Augen stellen: Hier wurde David schwach. Er sah und begehrte. Seine Augen schweiften umher. Anders als Hiob, der einen Bund mit seinen Augen schloss (vergleiche Hiob 31, 1). Was konsumierst Du? Wir tragen ein Universum an Möglichkeiten in unseren Taschen: das Smartphone. 📲 Hier kannst Du alles haben, jederzeit. Mit Kindern sind wir streng im Umgang mit Medien. Und mit uns selbst? Was „gönnst“ Du Dir? 💭

David sagt, „das Tun der Abtrünnigen hasse ich, es soll mir nicht anhaften!“ Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten (vergleiche 1. Korinther 15, 33). Für mich schließe ich daraus, dass ich mir nicht erlauben darf Dinge anzusehen, die mich negativ prägen können. ‼️ Gleiches gilt fürs Hören und Lesen. Da wo es möglich ist, möchte ich auch den Kontakt zu Menschen, die mich zur Sünde verführen, meiden. In der Tat kann das bedeuten, dass ich Kontakte stumm schalte, um Statusmeldungen nicht zu sehen, Newsletter abbestelle, manche Links nicht anklicke, Nein zu verlockenden Serien oder „Schmöker-Lektüren“ sage … Dafür brauche ich Gottes Gnade, immer wieder Hilfe und Vergebung. ✝️

Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die uns binden wollen. Die etwas in uns wecken, was Versuchungen eine Vorlage bietet, Unzufriedenheit fördern, Habsucht reizen, Sorgen anfeuern, Stoff für Klatsch und Tratsch sind oder auch Hoffnungslosigkeit verbreiten. ❌ Bei Sünde denken wir an Mord, Ehebruch und andere „große“ Dinge. Aber niemand wird wohl aus heiterem Himmel zum Totschläger, sondern viele unscheinbare Fehlentscheidungen sind Vorläufer für Katastrophen. Handysüchtig wirst Du nicht vom ersten Mal surfen im Internet, jedoch in Folge von häufigem Nachgeben und unkontrolliertem Konsum. 🤦‍♀️

Der Entschluss „In meinem Haus soll keiner wohnen, der Betrug verübt“ möchte ich ganzheitlich sehen. Gegenstände, Werte, Verhaltensweisen, Apps, Beziehungen, Worte, Gedanken … sollen rein sein. 

David setzt einen Gegentrend. Denn guter Umgang fördert Gutes: „Ich achte auf die Treuen im Land, sie sollen bei mir wohnen; wer auf unsträflichem Weg wandelt, der soll mir dienen.“ Prägt Dich Dein Umfeld positiv? Wie kannst Du das fördern? Und selbst zu solch einer Person werden, die ein Segen und Vorbild ist?

Paulus Worte sind allumfassend: „Sondern in allem empfehlen wir uns als Diener Gottes“ (2. Korinther 6, 4a). Er geht so weit, dass er sich den Korinthern in allem empfiehlt. Auf uns übertragen könnte es lauten: Alles schließt den gesamten Menschen, unseren Haushalt, alle Bankgeschäfte, jeden Eintrag, der mit meinem Namen versehen ist, mein ganzes Leben: gestern, heute und morgen, alles mit ein. 

…

Für mich klingt die Unterüberschrift „Von Gottesfurcht bewegt in der Erwartung Christi leben“ wie der Tenor des Psalms durch. Gnade vor Recht (aus Gnade) erfahren zu dürfen, verändert das Leben für Kinder Gottes grundlegend. Und darauf zu vertrauen, dass der gnädige Gott aber auch der einzige, absolut gerechte Richter ist, kann entlasten, nämlich alles ihm zu überlassen, der gerecht richtet. 👉🏻 Christus zu erwarten, „practice his presence“ zu leben, ist der bewusste Wandel vor Gott und seiner heiligen Gegenwart. ✨ Das schließt, wie schon oben festgehalten, alles, jeden Lebensbereich mit ein.

…

Das waren meine Gedanken zu Psalm 101. Lies ihn gern einmal in Deiner Bibel nach. Bestimmt entdeckst Du noch weitere Aspekte, die unerwähnt geblieben sind.

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Liane Wagner Portrait
Liane Wagner
Liane Wagner (geb. Fenske) ist Berufspädagogin und lebt mit ihrem Mann in NRW. Ihr Anliegen ist, die beste Nachricht der Welt mit anderen Frauen zu teilen: Lebe als Binty – Gottes geliebte Tochter.

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