Die liebe Zeit und unser Problem mit ihr

22. März 2026

„Wie die Zeit vergeht!“ seufzt sie beim Blättern durch das Fotoalbum der Familie; 📔 „Ach, du liebe Zeit!“ ruft er, als er den Geruch angebrannten Kuchens wahrnimmt, und rennt zum Backofen; 🏃🏻‍➡️ „wo ist nur die Zeit geblieben?!“ sprechen vertraute Freunde einander am Telefon zu. ☎️ „Der Zahn der Zeit nagt“ sagen sie, ihr fortschreitendes Alter beschreibend … 🪞

Die liebe gute Zeit. Nie haben wir davon genug. ⏰

Leistungssportler wissen, was Sekunden ausmachen. ⌛️Wer einen Zug verpasst, lernt den Wert jeder einzelnen Minute schätzen. ⌚️Verlobte zählen die Tage bis zur Hochzeit. 🗓️ Schwangere hangeln sich von Woche zu Woche. ⏱️ Bauherren von Monat zu Monat. 🕰️Ehepaare und Berufstätige, welche die Rente erwarten, zählen Jahre. 📆

Reicht Dein Tag, um all das zu erreichen, was Du Dir vornimmst? 💭 Genügt eine Arbeitswoche für Dein Pensum? Ein Arbeitsjahr? Etwas verschmitzt jammere ich meinem Mann vor, dass die Menschen in Genesis so viel Zeit zum Leben hatten. 😊 So viele Jahre wurden ihnen geschenkt. Methusalem wurde 969 Jahre alt (vergleiche 1. Mose 5, 27). Die meisten von uns werden höchstens etwa 8% von der Lebenserwartung des ältesten Menschen der Weltgeschichte erleben. Stell Dir das einmal vor, zarte 8%. 😮

Auf einem Gabentisch an meinem Geburtstag stand das Buch: „Deine Tage sind gezählt“ (Perritt). Es war mein expliziter Wunsch, muss ich dazu ergänzen. 😅 Denn es sah etwas speziell aus, zwischen aller Heiterkeit und Präsenten, dieser Titel mittendrin: ernüchternd, mahnend. Dennoch: sehr passend zu einem neuen Lebensjahr. 😊🎁

Zwei wertvolle Funde aus diesem Buch möchte ich Dir nennen:

  • Gott hat mich auch mit meiner vergeudeten Zeit errettet (das schlechte Gewissen, das Gefühl der Unzulänglichkeit darf ich zum Kreuz bringen, Korrektur und Hilfe im Auskaufen der Zeit erfahren und anerkennen, dass ich seine Gnade und das freimachende Evangelium auch mit Blick auf mein Zeitmanagement brauche und annehmen darf. Ich werde nie effizient genug sein und selbst wenn das hypothetisch betrachtet möglich wäre, wird mich das nie vor Gott gerecht machen!) ✝️

„So gibt es also jetzt keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind;“ (Römer 8, 1, MENG)

  • Die Ewigkeit im Herzen als „Überrest aus Eden“: Als Kreaturen für Gemeinschaft mit Gott im Paradies wurden wir für die Ewigkeit geschaffen, nicht für eine tickende Uhr. Ein möglicher und plausibler Erklärungsansatz, warum wir mit der „rennenden“ Zeit überfordert sind (vergleiche Prediger 3, 11).


An einem Tag musste ich lange im Auto warten und las das Buch in dieser Zeit durch. Es half mir dabei, prüfend zu hinterfragen, wo meine Zeitkalkulation Feinjustierung bedarf, welche Zeitkiller mich einnehmen wollen und sensibilisierte mich für den Dauerbrenner: unser Zeitproblem.

„Denn was ist euer Leben? Es ist doch nur ein Dunst, der eine kleine Zeit sichtbar ist; danach aber verschwindet er.“ (Jakobus 4, 14b)

Zeit ist der limitierende Faktor. Bei Deinen Ideen, Deiner Erholung, den drängenden Aufgaben, Deinem Schlaf, den Terminen, Deinem Urlaub, den Verabredungen … ⏱️

Kennst Du den täuschenden Eindruck, kurz vor einer Prüfung zu stehen und dann zu denken: „Jetzt noch eine Woche (oder ein Tag) und ich würde das Thema perfekt beherrschen.“ Ein Trugschluss. 🫢 Nur selten würde das zutreffen, nämlich, wenn uns wirklich zuvor Unvermeidbares abgehalten hat. Die Wahrheit ist doch, dass, wie der Volksmund sagt, „Perlen unter Druck entstehen“ 😉 und wir uns ohne gewisse Anspannung vielleicht gar nicht verbindlich an eine Pflichtaufgabe dransetzen würden. Zumindest ein (Groß-)teil der Menschheit nicht.

Wenn ich könnte, würde ich gern noch viele Berufe, Hobbys und Fertigkeiten erlernen. Langsam dämmert mir, dass ich mich von einigen Wünschen verabschieden kann. 🫧 Es wäre unrealistisch, Dingen nachzujagen, für die – und da haben wir sie wieder – schlicht und ergreifend nicht die Zeit reicht. Zeit ist ein hohes Gut. Wertvoll und unbezahlbar. Time is money (Zeit ist Geld) trifft vielleicht auf den OP-Plan und für die Stellplatzkosten eines Flugzeugs auf dem Flughafen zu. Nicht auf unser Leben. Der reichste Mensch kann sich keine einzige Sekunde Verlängerung seines Lebens kaufen. Das hat Gott beschlossen: „Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?“ (Matthäus 6, 27) Jesus verwendet hier eine Metapher mit einem antiken Längenmaß (Abstand vom Ellbogen bis zur Spitze des Mittelfingers), um deutlich zu machen: keinen winzigen Zentimeter Lebensstrecke könnt ihr über das weitergehen, was ich bestimmt habe. 🔚

Ich wünsche mir, dass die Erinnerung an unsere begrenzte Zeit Dankbarkeit hervorruft. Warum?

  • alles hat ein Ende (auch die Wurst 😉): nervige Zeiten werden vergehen.
  • alles hat ein Ende: das längste Studium wird irgendwann beendet sein.
  • alles hat ein Ende: irgendwann (sehr bald) sind Deine Kinder groß. Die schlaflosen Nächte am Bett des Kindes sind dann Vergangenheit. 
  • alles hat ein Ende: Der Winter ist überstanden, ein Frühling naht, der Sommer klopft an … frostige Zeiten bestimmen nicht unbegrenzt das Thermometer. 
  • alles hat ein Ende: es kann sein, und mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es sogar so, dass Du irgendwann auf die gegenwärtige Zeit zurückblicken wirst und dabei denkst: „War das schön!“ Genieß es doch schon heute. Dankbar, Gott ehrend. Nicht erst, wenn Du einer vergangenen Zeit hinterher trauerst.
  • alles hat ein Ende: Sprich, das Schmerzhafte und Hässliche wird nicht unendlich andauern, wenn Gott Dein Lebenslos durch Christus gesichert hat.

Alles hat ein Ende klingt mahnend, ausrichtend, befreiend. Ja, es schwingt auch Schwermut mit. Wie beim gedanklichen Blättern durch ein Album des Lebens. Irgendwann ist das letzte Familienfoto eingeklebt. ABER und hier schlägt die Dankbarkeit vollends zu:

Das HEUTE ist uns geschenkt. Das „Fotobuch“ ist noch nicht archiviert. Ich darf „Aufnahmen“ machen. Leben atmen. Auf das Leben – Christus – hinweisen. 🙌🏻

Einkäufe sind nicht lästig, sondern besonders, denn diesen heutigen Einkauf werde ich in der Form nie wieder tätigen. Nicht zu den Daten wie Tageszeit und Wochentag, (Preisen!), in diesem Moment. Er ist EINMALIG. Wäsche waschen wird besonders, denn ich darf Kleidung tragen, leben, mich bewegen. Ich darf sauber sein und schmutzig werden. Müde sein und ausruhen. Alles im Rahmen dieses Wunderwerks „Zeit“, was ich nicht ganz begreifen kann.

Beim Schreiben dieses Textes zeigt meine Uhr 03:40 Uhr an. Wie passend, sich Gedanken um die Zeit zu machen. 😉Während in Dubai bald die Sonne aufgeht, die Japaner auf die Mittagspause zusteuern, steht in Sydney der Nachmittagskaffee an.

Es entspannt mich gerade zu wissen, dass ich nicht mehr Zeit habe, wenn ich jetzt schlafe oder schreibe, sondern, dass sich diese Zeit lediglich anders verteilt. Jeder Tag hat 24h. Die Bibel sagt, dass jeder Tag seine Plage hat (vergleiche Matthäus 6, 34). Nicht mehr, nicht weniger.

Als ich vor Wochen nachts wach lag und irgendwann müde und doch schlaflos zu Tippen begann, gab Gott mir ein ermutigendes Gebet: „Ich will dir danken, du wirst mir helfen! “ 💭

Könnte das auch Dein Gebet sein? „Gott, ich will dir danken, weil (oder obwohl) alles ein Ende hat. Du wirst mir helfen, das Heute zu Deiner Freude zu nutzen.“ Ich bin mir sicher: Wenn wir uns am Herrn freuen, dann freut sich Gott dabei über uns. 😊

Mir steht das Rhein-Wied-Gymnasium vor Augen, welches den Leitspruch „Nutze die Zeit“ oberhalb einer verzierten Uhr gefasst hat. Wie weise! Manchmal wünsche ich mir, noch einmal Kind zu sein und jede Schulklasse erneut zu besuchen. Die wenigsten werden mir wohl beim Lesen beipflichten. 😅 Das ist auch völlig in Ordnung. Ich lerne so gerne. Und je älter ich werde, desto mehr begreife ich, wie wenig ich weiß und es kommt mir manchmal so vor, als müsste ich mit der Zeit wetteifern, um das „Maximale“ aus ihr herauszuholen. 🏃🏼‍♀️‍➡️Auf diesem Planeten wird mich die Endlichkeit überholen. ⌛️ Ewigkeit muss sehr schön sein, überlege ich. Keiner von uns wird im Himmel jemals sagen: „Zeit ist um!“ 😉

Die Glocken am Kirchturm, eine Kuckucksuhr an der Wand, die Smartwatch an der Hand: sie alle rufen zu: Zeit ist kostbar! Ja, Zeit ist Gabe und Aufgabe.

Welchen Stellenwert haben da noch Muße und Regenration? Einen hohen, möchte ich sagen. Die Erfindung des Ruhetags ist Gottes gute Idee. Erholungszeiten helfen zur Besinnung, Ausrichtung. Ein wertvolles Bild zeichnet dieser Vers: „Wenn eine Axt stumpf ist und man die Klingen nicht schleift, so muss man umso mehr Kraft anwenden; aber durch Weisheit kommt man zum Gelingen.“ (Prediger 10, 10) Wie schleifst Du Deine Klinge?

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich nicht zum Antreiber werden und auf Effizienz trimmen. Dankbarkeit darf und soll uns bestimmen für das Geschenk des Augenblicks. Wem möchtest Du jetzt gleich sagen oder schreiben, wie dankbar Du bist, dass sie oder er Teil Deines Lebens ist? 💌 Wirst Du Deine Tasse Kaffee mit etwas mehr Genuss und Freude trinken, wissend, dass es diesen Moment kein zweites Mal gibt? ☕️ Wie anderes wären unsere Treffen, Telefonate, Flurgespräche, Begrüßungen, Diskussionen und Verabschiedungen, wenn uns öfter bewusst wäre: wieder einmal weniger … 🔚

„So lehre uns denn zählen unsere Tage, / damit Weisheit unser Wesen bestimmt.“ (Psalm 90, 12, NeÜ)

Unser Problem mit der lieben, guten, alten (und wie wir sie auch nennen wollen) ZEIT, ruft die Erinnerung hervor, dass Gott den Menschen für unbegrenzte Gemeinschaft mit sich schuf. „Alles hat er so eingerichtet, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die Ewigkeit hat er den Menschen ins Herz gelegt. Aber das Werk Gottes vom Anfang bis zum Ende kann kein Mensch begreifen.“ (Prediger 3, 11) Die Ewigkeit ist in Deinem Herzen! Sie schlummert in Dir. Der alles limitierende Faktor weist permanent, wie eine tickende Uhr darauf hin, dass das Beste für Kinder Gottes noch bevorsteht. Dort wird es keine Zeitnot mehr geben. 🙌🏻

📍Zur Vertiefung:
Im Zuge des letzten Bibelleseplans las ich das Buch Prediger 5x. Dort finden wir viele Hinweis zum Umgang mit Zeit. Ich empfehle Dir (und mir!) dieses Bibelbuch als regelmäßige Vertiefung.📖

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Liane Wagner Portrait
Liane Wagner
Liane Wagner (geb. Fenske) ist Berufspädagogin und lebt mit ihrem Mann in NRW. Ihr Anliegen ist, die beste Nachricht der Welt mit anderen Frauen zu teilen: Lebe als Binty – Gottes geliebte Tochter.

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