Aufrichtigkeit – nichts für Feiglinge
16. November 2025

Wer hat das Rückgrat und die Demut zuzugeben, nicht alles zu können und zu wissen? Wer hält es aus, wenn Dinge aufgedeckt werden? Ist Dein größtes Anliegen, dass Deine Kinder nahe bei Jesus sind oder ehrlichgesagt vielmehr, dass sie den (äußerlichen) Kurs der Gemeinde verfolgen? Ist es uns lieber, dass „alle gesund, harmonisch und friedlich leben, bloß nicht auffallen“ als dass sie von Gott in ihrer Sündhaftigkeit überführt werden, wiedergeboren werden – auch wenn das bedeutet, dass sie vorher einen ungemütlichen Zerbruch erleben, ihre Verlorenheit erkennen und radikal neu beginnen? Fürchten wir uns vor dem, was unsere Kinder in der Seelsorge über ihr Elternhaus sagen? Bevorzugen wir, dass der Schein gewahrt wird, als dass die Wahrheit ans Licht kommt, die vielleicht hässliche und dunkle Seiten unseres Lebens, der Familie offenbart?
Aufrichtigkeit bewegt mich. Fürchte ich Gott, oder das Urteil der Menschen? Ist mir die Ehre vor den Leuten wichtiger als Gottes Meinung über mich?
Saul ist ein mahnendes Beispiel. Von Gott verworfen bittet er Samuel: „Ich habe gesündigt; nun aber ehre mich doch vor den Ältesten meines Volkes und vor Israel“ (1. Samuel 15, 30a). Es klingt, als wollte er sagen: „Lass uns die Show aufrechterhalten. Nur nicht kleinbeigeben. Tu so, als wäre nichts geschehen.“ Ich wage seine Reue zu hinterfragen, denn nach dem „ich habe gesündigt“ folgt der Wunsch „ehre mich“. In manchen Kulturkreisen wird das Ansehen des Umfelds derart hochgeachtet, dass Menschen bereit sind ihr ganzes Leben ein Doppelleben zu führen, weil sie das Urteil der Leute fürchten.
Ist mein Leben so? Bin ich echt? Treibt mich Gottesfurcht zur Heiligung an oder lebe ich in Menschenfurcht? Tue ich, was ich tue, um meinem Umfeld zu imponieren?
Oder lebe ich, wie ich lebe, weil ich Jesus liebe?
Eine schauspielerische Veranlagung kommt in Rollenspiel und Theaterstück fabelhaft zum Einsatz. Und auf der Lebensbühne? Wir haben uns im ersten Teil dieser Themenfolge einigen Hypothesen gestellt. Vielleicht treffen diese Antizipationen eher Deinen Nerv:
- Singe ich, um von Menschen gehört zu werden?
- Schreibe ich, damit andere Menschen etwas Kluges von mir lesen, oder schreibe ich, damit Gottes Reich gebaut wird?
- Gebe ich ein Anliegen in der Gemeinde weiter, um meinen Glauben zur Schau zur stellen oder ist es mein Anliegen, zu Gottes Ehre da zu sein?
- Kleide ich mich so, wie andere es gern sehen oder bin ich wahrhaftig und suche, wie ich Jesus gefallen kann?
- Ist mein Reden voller „christlicher Vokabeln“, wenn ich die Gemeinderäume betrete und „verlerne“ ich diese wie eine Fremdsprache, sobald ich unter meinen Kollegen oder Kommilitonen bin?
- Muss im Auto immer eine „andere“ CD parat sein, falls doch jemand mitfährt, vor dem ich meine Playlist nicht abspielen kann?
- Muss ich mich umziehen, wenn es an der Tür klingelt?
- …
Ich brauche nicht weiter darauf einzugehen, dass jedem Leser klar sein wird, dass nicht alles an den Mittagstisch, vor die Haustür, ins Mikrofon oder ins Gespräch des Umfelds gehört. Gewiss, manches sollte vertrauensvoll in der Seelsorge besprochen und durchgebetet werden. Mir geht es vielmehr darum, Dich und mich zu ermutigen, Nachfolge rein zu leben, unverstellt Jesus nachzufolgen. In dem Bewusstsein, dass Gott zu fürchten ist.
Nach und nach machen sich immer mehr Lichter bemerkbar, in den Schaufenstern der Einkaufsläden und in den Häusern der Stadt. 🏙️ Das, was wir zeigen und darstellen wollen, wird vom Licht angestrahlt, eingehüllt. Dort, wo man besser nicht hinsieht, bleibt es oft dunkel. Ist es in meinem und Deinem Leben auch so? 🕯️
Feiern wir eine Scheinwelt und geben uns mit einer Sichtreinigung zufrieden?
Putzen wir, bevor der Besuch kommt oder wenn er wieder gegangen ist?
Eine schockierende Enttarnung meiner Motive teile ich mit Dir:
Wenn ich früher bei anderen zu Besuch war und sich die Gastgeberin für irgendetwas entschuldigte, wie den Berg an zu spülendem Geschirr, ein verirrter Wäschekorb, schmutzige Fenster, angebranntes, versalzenes Essen oder andere „Katastrophen“ erwiderte ich oft gütig, dass es „gar kein Problem sei“. Ich behaupte, dass ich das auch genauso gemeint habe. Heute frage ich mich: Warum sage ich, dass es kein Problem ist, wenn es bei anderen chaotisch ist – nur bei mir darf es nicht so aussehen? Bin ich mit anderen „barmherziger“ als mit mir selbst? Oder verkleidet sich dahinter das Motiv, dass andere ruhig schwächer sein können als ich? Fröne ich meiner Perfektion? Es kann befreiend sein, mitzuerleben, dass auch andere „nur Mensch“ sind. Erlebt Dein Umfeld das auch von Dir? Jeder weiß, dass niemand perfekt ist. Dennoch wahren wir (ich nehme mich da genauso mit ein) leider manchmal einen Schein, als wären wir Übermenschen und Alleskönner. Im Kern ist diese illusorische Darstellung Lüge.
„Darum legt die Lüge ab und »redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten«, denn wir sind untereinander Glieder.“ (Epheser 4, 25)
Echtheit erfordert Mut. Sie fängt klein und scheinbar unbedeutend an und mündet in die entscheidenden Fragen des Lebens fürs Dies- und Jenseits. ⚠️
Über die Konsequenzen der Aufrichtigkeit liest Du im folgenden abschließenden Impuls.
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