Aufrichtigkeit ist ungeschminkte Wahrheit

9. November 2025

Die Apostelgeschichte ist ein Buch über das praktische Leben der Nachfolge Jesu. Unter die Begebenheit von Ananias und Saphira in Apostelgeschichte 5 schrieb ich: „keine Show vor Gott“ und „Fürbitte Ehe: Uneinig in dem, was Sünde ist.“ 

Die Gemeinde Jesu wuchs. Älteste waren gewiss gern Hirten einer solchen Herde, denn von den Christen heißt es: „Und die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seinen Gütern sein Eigen sei, sondern alle Dinge waren ihnen gemeinsam.“ (Apostelgeschichte 4, 32) Ein Herz und eine Seele. In absoluter Einigkeit – was mein ist, ist dein – so teilten sie Glauben und Leben. Eine wunderbare Solidargemeinschaft. Reiche teilten mit Armen, alle wurden satt. „Es litt auch niemand unter ihnen Mangel; denn die, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Erlös des Verkauften und legten ihn den Aposteln zu Füßen; und man teilte jedem aus, so wie jemand bedürftig war.“ (Apostelgeschichte 4, 34–35) Zwei Mitglieder dieser Gemeinschaft erlebten die Großzügigkeit ihrer Mitgeschwister. Ja, sie sahen, dass es edel und ruhmreich war zu geben. Und trafen eine folgenschwere Entscheidung.

Ich frage mich: Wann sorgt der „Herdentrieb“ dafür, dass ich mich von Handlungen und Verhaltensweisen anderer derart mitziehen lasse, ohne ganz dahinter zu stehen?! Laufe ich einfach mit und bin gekünstelt dabei? Ohne überzeugt von dem zu sein, was ich vorgebe?

Das Ehepaar Ananias und Saphira waren wie manch anderer Grundstücksbesitzer. Vielleicht sahen sie sich im „Zugzwang“ nun auch eine fromme Tat zu vollbringen. Offensichtlich ging es ihnen darum, gesehen und gelobt zu werden. Doch ihr Herz wollte mehr: Die Gier nach Anerkennung teilte sich den Thron mit der Gier nach Materiellem. Ein Zwischenweg musste her, nämlich „zu tun, als ob“. Der Verkauf wurde abgewickelt. Das Geld ausgezahlt. Etwas für die eigene Tasche und etwas für die Apostel: „Er brachte mit Wissen seiner Frau den Aposteln einen Teil des Geldes, behauptete aber, es sei der gesamte Erlös.“ (Apostelgeschichte 5, 2, NLB) Es stimmt mich traurig, dass sich beide ihres Rollenspiels bewusst waren. Sie hatten sich darauf verständigt zu lügen, zu betrügen, etwas vorzutäuschen, was nicht der Fall war. Ananias und Saphira kamen überein, gemeinsam eine Show zu spielen. Das ließ Gott nicht ungestraft und er statuierte ein Exempel – beide starben noch am selben Tag – eine Mahnung für die Gemeinde Jesu.

„So fürchtet nun den HERRN und dient ihm aufrichtig und in Wahrheit, und tut die Götter von euch hinweg, denen eure Väter jenseits des Stromes und in Ägypten gedient haben, und dient dem HERRN!“ (Josua 24, 14)

Als ich weiter in der Apostelgeschichte lese, stoße ich erneut auf eine Warnung. Wieder geht es um Geld, um äußerliche Frömmigkeit (also vermeintlich christliche Handlungen). Petrus weist Simon, den ehemaligen Zauberer scharf zurecht: „Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du meinst, die Gabe Gottes mit Geld erwerben zu können! Du hast weder Anteil noch Erbe an diesem Wort; denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott!“ (Apostelgeschichte 8, 20–21) Petrus Worte geben Aufschluss darüber, dass dieser Mann eine neue ertragreiche Erwerbsquelle witterte und in „Fesseln der Ungerechtigkeit“ steckte. Gottes Urteil machte deutlich, was wirklich in ihm war.

Sind wir Erika Musterfrau und Max Mustermann Christen, die immer „Strahlen“, keine Sorgen, keine Nöte und Herausforderungen in unserem Alltag haben, jeden Ton treffen und natürlich „von allem alle Genüge haben“?! Oder haben wir Entschlossenheit auch zu dem zu stehen, was nicht läuft, wo wir versagen, wo wir Hilfe brauchen?

Aufrichtigkeit – gelebte Authentizität
Während eines Vortrags von Paul Washer notiere ich mir zum Thema Aufrichtigkeit folgende Gedanken: „Prinzipien ohne Gottes Nähe und heilige Gegenwart führen zur Gesetzlosigkeit hinter verschlossener Tür.“ 

Mein Eindruck ist –ich kann mich täuschen – je mehr eine Gemeinschaft von Regeln bestimmt ist (bewusst möchte ich nicht weiter die Vokabeln konservativ, gesetzlich oder streng bedienen), desto „weniger“ Probleme haben sie. Sprich, es gibt keine im Seelsorgedienst stehenden Mitarbeiter, niemanden, an den man sich vertrauensvoll wenden kann, denn augenscheinlich besteht dieser Bedarf nicht. Das Elend wird unter den Teppich gekehrt … bleibt in den eigenen vier Wänden, betritt nicht die Gemeinderäume … ist das die gute Miene zum bösen Spiel?! 

Was bezweckt dieses Übertünchen der Wirklichkeit? Wir fördern Heuchelei. Falsche Frömmigkeit. Wir gewöhnen uns ein Theaterstück an und bringen es tragischerweise der nächsten Generation bei. „Psst, darüber sprechen wir nicht. Nein, diese Themen gehören nicht vor die Haustür.“ Aufrichtigkeit – ein Thema für daheim? Hier zeigt sich oft, wie wir wirklich sind. Mal launisch, herrisch, unordentlich und barsch. Oder auch stumm, ignorierend, manipulierend. Bist Du Christ – auch unter der Woche? Oder hängst Du Deine Frömmigkeit sonntags in den Schrank wie eine Bundfaltenhose?

Warum versuchen wir, so perfekt zu tun wie möglich? Wen möchten wir beeindrucken? Wer gibt zu, in der (morgendlichen) Routine die Bibel zu lesen, zu versagen? Haben wir die Ehrlichkeit dazu zu stehen, dass wir es versäumen, uns Zeit für Zeit mit Gott zu nehmen? Ja, das ist nicht gerade löblich. Und ja, es sollte nicht dauerhaft so sein. Aber sind wir so echt und authentisch, dass wir zu unseren Problemen stehen können?

Wer bei der Fassade stehen bleibt, verpasst die Wirklichkeit. Wenn wir unser wahres Ich wie mit einem Make-up abdecken, rennen wir maskiert durchs Leben. Aufrichtigkeit ist eine Tugend, die verloren zu gehen scheint in einem Zeitalter, in dem alles mit Filtern überdeckt, mit künstlicher Intelligenz ersetzt und mit Schminke vertuscht werden kann. Wir zeigen Storys von unseren Erfolgen, unserem glänzenden Zuhause und setzen alles in Szene, was uns gut abschneiden lässt. Niemand fotografiert, wie es hinter dem Sofa, unter dem Küchentisch oder drumherum aussieht – Du verstehst, worauf ich anspiele. Ist unser Leben als Kinder Gottes auch so? Aufrichtigkeit ist ungeschminkte Wahrheit. Jagen wir ihr nach? 

Die Fortsetzung zu diesem Impuls erscheint in der Folgewoche.

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Liane Wagner Portrait
Liane Wagner
Liane Wagner (geb. Fenske) ist Berufspädagogin und lebt mit ihrem Mann in NRW. Ihr Anliegen ist, die beste Nachricht der Welt mit anderen Frauen zu teilen: Lebe als Binty – Gottes geliebte Tochter.

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